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Droht mit Klage: EU-Staatsanwalt wirft von der Leyen Behinderung der Ermittlungen vor

19. Mai 2024

Die Europäische Kommission greift die Unabhängigkeit der Europäischen Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen gegen Ursula von der Leyen an – so der Vorwurf von Generalstaatsanwältin Laura Köves, die nun kurz davor steht, die Kommission zu verklagen. Hat Brüssel jetzt selbst ein Rechtsstaatsproblem?

Droht mit Klage: EU-Staatsanwalt wirft von der Leyen Behinderung der Ermittlungen vor
Die EU unter Ursula von der Leyen hat gerade das Rechtsstaatsverfahren gegen Polen abgeschlossen. Nun gibt es Vorwürfe, die EU-Kommission selbst gehe gegen unabhängige Staatsanwälte vor. Wendet von der Leyens Kommission ähnliche Mittel an wie die Mitgliedstaaten Ungarn und Polen, die seit Langem als angeblich rechtswidrig und halbautoritär kritisiert werden?

Konkret geht es um die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO). Sie ermittelt gegen Kommissionspräsidentin von der Leyen wegen ihrer Verwicklung in den „Pfizergate“-Skandal, also die geheimen Absprachen über Impfstoffkäufe im Wert von über 35 Milliarden Euro vom Pharmariesen Pfizer.

Die EPPO ist eine relativ neue EU-Institution. Sie hat die Aufgabe, Finanzkriminalität im Zusammenhang mit EU-Geldern und anderen EU-Institutionen zu untersuchen und ist befugt, grenzüberschreitende Ermittlungen durchzuführen und Beweismittel zu sammeln – im Fall von der Leyen hauptsächlich Textnachrichten und E-Mails – und diese zu beschlagnahmen.

Gerade bei diesen Ermittlungen gegen die EU-Chefin wird die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) offenbar massiv von der Kommission behindert. Das sagt die Chefanklägerin der EPPO, Laura Kövesi, die nun sogar mit einer Klage gegen die EU-Kommission droht.

Hintergrund ist ein Kommissionsprojekt, das die Finanzierung der EPPO drastisch kürzen soll. Die Staatsanwaltschaft benötigt diese Mittel jedoch dringend für die Ermittlungen gegen von der Leyen. Es geht um insgesamt fünf Millionen Euro.

Denn mit der Gründung der EPPO 2021 gewährten die EU-Behörden der neuen Staatsanwaltschaft offenbar umfassenden Zugriff auf ihre IT-Infrastruktur. Diese IT-Unterstützung im Wert von fünf Millionen Euro wird nun, wie die Kommission angekündigt hat, entzogen. Dadurch fehlen der EPPO plötzlich enorme Ressourcen.

„Die einseitige Entscheidung […], die oben genannten Dienstleistungen für die Europäische Bundesanwaltschaft (EPPO) zum 31. Dezember 2024 einzustellen, birgt die Gefahr, dass die unabhängige Staatsanwaltschaft der Union ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen und ihr Mandat nicht mehr erfüllen kann“, schrieb EU-Chefanklägerin Kövesi laut Politico in einem Brief an die Europäische Kommission.

„Es ist die Pflicht der Kommission, jegliche Handlungen zu unterlassen, die die Erreichung der vertraglich festgelegten Ziele der EPPO – die Bekämpfung von Straftaten, die die finanziellen Interessen der Union beeinträchtigen – gefährden könnten“, forderte sie. Die Kommission weist die Vorwürfe derzeit zurück.

Kövesi hat nun ein gütliches Einigungsverfahren eingeleitet, das trotz seines vermeintlich harmlosen Namens den letzten Schritt vor einer tatsächlichen Klage gegen die Europäische Kommission darstellt. Dass nun eine EU-Institution die Kommission verklagt, sei „ungewöhnlich“, schreibt Politico. Die Spannungen hatten sich jedoch bereits seit Monaten aufgebaut.

Es ist durchaus ironisch, dass von der Leyens Kommission nun genau das vorgeworfen wird, was anderen osteuropäischen EU-Ländern seit Langem vorgeworfen wird: ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft. Polen beispielsweise geriet in der Vergangenheit wiederholt ins Visier, weil dort Politiker zu viel Einfluss auf Richter und Staatsanwälte ausüben. Dem EU-Staat wurde unter anderem vorgeworfen, der Justizminister übe zu viel Kontrolle über die Staatsanwaltschaft aus. Die PiS-Partei, die dort bis vor Kurzem an der Macht war, habe dies genutzt, um ihre eigenen Politiker vor Ermittlungen zu schützen, so der Vorwurf.

Die Unterdrückung unliebsamer Staatsanwälte, die gegen die falschen Personen ermitteln, scheint in Brüssel nun an der Tagesordnung zu sein, zumindest wenn man Kövesi und ihrem Team Glauben schenken darf.
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